Kölner Internet Union begrüßt die Initiative Internethauptstadt Köln

Oleh: marty
Dezember 22, 2009

Köln soll Internethauptstadt werden – dazu hat Martin Börschel, Fraktionschef der Kölner SPD, die Initiative Internethauptstadt Köln gestartet. Grundlage der Entwicklungsstrategie ist ein 11-Punkte-Plan, der beispielsweise die flächendeckende Verfügbarkeit und Grundversorgung mit Hochgeschwindigkeits-Internet in Köln oder den Ausbau der Online-Aktivitäten der Stadt und des Bürgerservices vorsieht.

Am 10. Dezember fand im Ratssaal des Kölner Rathauses die Auftaktveranstaltung zu der Initiative statt. Das Interesse war groß, über 100 Interessenten hörten verschiedene Vorträge und die anschließende Podiumsdiskussion.

Generell begrüßt die Kölner Internet Union (KIU) dieses Engagement der Kölner SPD. Der Vorsitzende Jürgen Walleneit erklärt: “Es ist richtig und wichtig, jetzt unter Beteiligung einer breiten Öffentlichkeit über das Programm zu diskutieren und es zu konkretisieren.” Für das Fortkommen der Initiative spricht der Branchenverband verschiedene Empfehlungen aus:

Alle Beteiligten einbeziehen, Netzwerke nutzen

Das Thema “Internet” ist äußerst komplex. Es betrifft unterschiedliche Firmen, Branchen, Institutionen, Organisationen und Gesellschaftsgruppen, die jeweils ihre eigenen Interessen, Erfahrungen und Vorstellungen für das Netz haben. Eine Allroundlösung für den optimalen Einsatz von Technologien, für die Festlegung von rechtlichen Rahmenbedingungen, für die Dialektik von Netzfreiheit und -sicherheit und die vielen weiteren Aspekte der Internetnutzung gibt es nicht. Es gilt vielmehr, dieser Heterogenität gerecht zu werden, den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fördern und auf diesem Weg zu umgänglichen Lösungen für alle Parteien zu gelangen.

Für den Prozess der Konkretisierung und das spätere Management der Internetstadt rät die KIU dazu, das Know-how und kreative Potential der Kölner Internetunternehmer und -spezialisten aktiv in den Planungsprozess einzubeziehen. Daher unterstützt die KIU auch den Vorschlag, das Thema Internethauptstadt Köln gemeinsam mit allen Interessenten auf einem BarCamp auszuarbeiten. Als weitere erste Maßnahmen schlägt die KIU vor, ein Blog zur öffentlichen Diskussion der 11 Punkte einzurichten oder ein Wiki anzulegen, um eine Übersicht über die Akteure und vorhandenen Netzwerke in Köln zu geben. Wünschenswert ist auch eine offene Plattform, auf der spezifische Belange und Probleme von Unternehmen im Umgang mit Online-Technologien dokumentiert, analysiert, diskutiert und gelöst werden können. Darüber hinaus sollten Veranstaltungen angeboten werden, die einen branchenübergreifenden Austausch zwischen Kommunikations-, Internet- und Softwarefirmen ermöglichen.

Bildung, Medienkompetenz und Kultur fördern

Damit die Kölner Bürger die Internetstadt Köln mittragen können, sollten private wie städtische Bildungsträger angeregt werden, sich mit dem Thema Internet auseinander zu setzen. Dazu empfehlen sich entsprechende Förderungen. Auch Kölner Unternehmen, speziell KMU, sollten durch Seminar- oder Beratungsprogramme dafür sensibilisiert werden, wie und in welchen Bereichen sie Online-Technologien sinnvoll einsetzen können. Nicht zuletzt sollten Lehr- und Ausbildungspläne sowie Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer, Eltern und Senioren optimiert und regelmäßig entsprechend der technologischen Entwicklung aktualisiert werden.

Ebenso empfiehlt die KIU, Projekte in der Kölner Kunst- und Kulturszene zu fördern, die sich mit der Digitalisierung der Gesellschaft auseinander setzen. Dies ermöglicht einen neuen, aufschlussreichen Zugang zum Thema Internet. Der technologische und wirtschaftliche Blick wird um weitere Perspektiven ergänzt. Ethische, ästhetische, politische, wissenschaftliche und kulturelle Fragen werden in die Diskussion und Entwicklung der Internetstadt mit einbezogen. Da diese Fragestellungen für den weitsichtigen Umgang mit dem Internet unumgänglich sind, hat die KIU bereits im Jahr 2008 die Initiative art 2.0 ins Leben gerufen.

Köln als Open Source und softwarepatentfreie Stadt etablieren

Bereits jetzt gibt es in Köln eine vielfältige und aktive Open Source- und Open Content-Szene – diese sollte von der Stadt unterstützt werden. Durch Öffentlichkeitsarbeit könnten die Szene mit ihren Arbeitsfeldern bekannt gemacht und eventuelle Vorbehalte gegen Open Source/Content abgebaut werden. Möglicherweise könnte die Stadt auch Räume zur Verfügung stellen, in denen sich die Entwickler treffen, gemeinsam arbeiten und sich austauschen können.

Die Internetstadt Köln ist auf Innovationen und Entwicklungen von Internetunternehmen und Einzelpersonen angewiesen. Deswegen sollte sie verstärkt thematisieren, welche Auswirkungen Softwarepatente und die Erteilung von Ausschließungsansprüchen auf die Innovationsfähigkeit der IKT-Branche haben. Die KIU setzt sich als Gründungsmitglied des Bundesverbands Informations- und Kommunikationstechnologie (BIKT) für eine differenzierte Auseinandersetzung mit Softwarepatenten ein – eine entsprechende Positionierung ist auch für die Stadt Köln empfehlenswert. Dabei gilt es natürlich, die Interessen der Rechteinhaber zu beachten – ebenso müssen aber die Allgemeinheit vor überzogenen Ansprüchen der Rechteinhaber geschützt und die Möglichkeiten zur Innovation und Weiterentwicklung durch die Rechtssetzung und Rechtspraxis gestärkt werden.

Internetnahe Wirtschaftszweige unterstützen

Köln ist in vielen Branchen, die eng mit dem Internet verbunden sind, bereits gut aufgestellt. Diesen Vorsprung gilt es weiter auszubauen. Wichtig ist, Unternehmen mit Geschäftsfeldern wie Softwareentwicklung, Programmierung, Hosting oder Webdesign gezielt voran zu bringen. Außerdem sollte die Stadt die Gaming Szene fördern, dazu beitragen, Vorbehalte gegen Computerspiele abzubauen und Räume und Events für Spieleentwickler und Gamer anbieten. Weitere Förderung ist auch für die gesamte Kreativwirtschaft  wünschenswert.

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